Kooikerhondje

Wesen:

Wohlgesinnt

Territorial

Aufmerksam

Größe: Mittel

Höhe: 35-40 cm

Gewicht: 9-11 kg

Lebenserwartung: 12-14 Jahre

Felltyp: Mittelhaar

Farben: Orange-Rot mit Weiß

FCI Gruppe: Apportierhunde – Stöberhunde – Wasserhunde

Das Kooikerhondje („Kooikerhündchen“), oft auch als Kooiker bezeichnet, zählt zu den ältesten niederländischen Hunderassen. Es diente ursprünglich in den Niederlanden als Lockhund bei der Entenjagd. Auf niederländisch heißt die Rasse Nederlandse Kooikerhondje. Der Rassename bedeutet so viel wie „Kojenhündchen“.

Wesen, Charakter und Eigenschaften des fröhlichen und familienbezogenen Vierbeiners

Die freundliche Hunderasse eignet sich mit ihren viele positiven Charaktereigenschaften gut für Familien oder Hundeanfänger*innen. Mit seinem Temperament hält der lauffreudige Vierbeiner schnell die ganze Familie auf Trab. Bei der Haltung des Kooikers als Familienhund muss der sensible Charakter beachtet werden. Mit Kleinkindern sollte der Kooiker nicht gehalten werden, denn er reagiert empfindlich auf ungestümes Herumtollen, Schreien oder Ziehen am Fell. Fürs Gassigehen sollten Halter*innen viel Zeit einplanen. Mindestens eine Stunde täglich ohne Leinenzwang sollten drin sein. Am besten ist das Kooikerhondje in einer gelassenen, aktiven Familie aufgehoben, die gerne in Feld und Wald unterwegs ist.

Das Kooikerhondje ist von zierlichem Wuchs und hat Ähnlichkeiten mit einem Spaniel. Mit einer Größe von etwa 35 bis 40 cm und einem nahezu quadratischen Körperbau zählt er zu den mittelgroßen Hunden. Das Gewicht beträgt durchschnittlich 9 bis 11 kg. Die Lebenserwartung liegt bei etwa 12 bis 15 Jahren. Das mittellange, weiche Fell ist glatt oder leicht gewellt und hat typischerweise deutlich abgegrenzte orange-rote Flecken auf weißem Grund. Die Unterwolle ist gut entwickelt. Die gut befederten langen Schlappohren sind am unteren Ende mit leicht gewellten schwarzen Haaren besetzt, die laut FCI (Fédération Cynologique Internationale) als „Ohrringe“ bezeichnet werden. In der Bewegung hält das Kooikerhondje seinen Kopf nach oben und trägt die Rute oberhalb der Rückenlinie. Von der Stirn bis zur Nasenspitze zieht sich eine weiße Blesse. Der Kopf ist wohlgeformt mit mandelförmigen braunen Augen.

Fremden Menschen gegenüber ist der Kooiker meist zurückhaltend. Bei Unsicherheit zieht er sich zurück. In seinem Zuhause ist er wachsam, aber nicht aggressiv. Bevor er auf fremde Menschen zugeht, beobachtet er diese zunächst aus der Ferne. Sobald der Hund seine erste Scheu überwunden hat, zeigt er sich von seiner freundlichen Seite. Der Kooiker ist fröhlich, verspielt, sehr intelligent und aufmerksam. Das sehr anpassungsfähige Tier ist einerseits verspielt und voller Lebensfreude, andererseits ruhig und zurückhaltend. Alleine zu Hause gefällt es ihm gar nicht. Er liebt es dagegen sehr, wenn seine Menschen um ihn herum sind und geht mit ihnen eine tiefe Bindung ein.

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Erziehung & Training - Kooikers lieben Action und Herausforderungen

In der Erziehung benötigt das Kooikerhondje Konsequenz und Einfühlungsvermögen. Ruhige und deutliche Signale zeigen dem Tier am besten, was es tun oder lassen soll. Das gibt dem empfindlichen Tier Sicherheit. Auf die Einhaltung von Regeln sollte man auf konsequente Art bestehen, damit man vom Tier ernst genommen wird. Druck und Härte sollten nicht angewendet werden und sind auch nicht erforderlich. 

Statt den Hund mehrmals zu rufen sollte man besser zu ihm hingehen. Aufgeregtes Bellen und Jagdverhalten bekommt man mit einer sorgfältigen Erziehung gut unter Kontrolle. Über positive Motivation lernt das Tier am besten. Das Kooikerhondje mit seiner hohen Auffassungsgabe liebt sorgfältiges und konsequentes Üben. Mit viel Belohnung, Zeit und Geduld klappt es am besten.

Die Kombination von hoher Intelligenz mit besonderer Sensibilität und schneller Erregbarkeit hat auch ihre Schattenseiten. In unbekannten Situationen oder bei der Begegnung mit fremden Hunden reagiert der Hund oft ängstlich und unsicher. 

Damit sich keine größeren Ängste entwickeln, muss man dafür sorgen, dass sich der Hund in der Nähe seiner Menschen zu jeder Zeit sicher fühlt. 

Die ausdauernden und cleveren Kooikerhondjes lieben Action und Herausforderungen! Agility, Flyball oder Dog Dancing? Ja gerne! Kooikers stehen auf Hundesport aller Art und sind begeisterte Schwimmer. Auch Apportieren. Suchspiele und Tricks sollten auf dem Programm stehen. Abwechslungsreiches Auspowern auf körperlicher und geistiger Ebene ist optimal für den Kooiker. 

Vor allem aber sollte das Training Spaß machen. Der Niederländer genießt lange Spaziergänge und begleitet Frauchen und Herrchen gerne beim Radfahren oder Joggen. Als Jagdhund ist er weniger geeignet, da sein Jagdtrieb nur gering ist. Schließlich sollte er vor langer Zeit Enten anlocken und nicht jagen. Bewegung am und im Wasser sind bei höheren Temperaturen genau das Richtige. Hier ist der Kooiker voll in seinem Element.

Ein Trainingstagebuch* hilft dabei, Trainingsfortschritte zu dokumentieren. Es kann beispielsweise auch zur Vorbereitung der Begleithundeprüfung genutzt werden.

Die richtige Ernährung des vierbeinigen Niederländers

Wie bei jedem Hund sollte die Nahrung ausreichend Protein enthalten. Viel Fleisch und eine ausgewogene Ernährung sind ideal als Grundlage. Knochen zum Knabbern und andere Leckereien dürfen gerne dazu kommen. Gerne kauen die Kooikerhondjes auf getrockneten Rinder- oder Schweineohren herum. Das Kooikerhondje frisst ausgesprochen gerne und tendiert daher schnell zu Übergewicht. Die Futterportionen sollten daher genau bemessen werden. Die tägliche Ration sollte in mindestens zwei Portionen verfüttert werden. Bei Übergewicht müssen die Futterportionen entsprechend angepasst werden, da viele Pfunde auf den Hüften der Hundegesundheit schadet.

Als Futter eignen sich hochwertige Nassfuttermittel und entsprechende Trockenfuttermittel. Eine als BARF* (Biologische Artgerechte Rohe Fütterung) bezeichnete Rohfütterung ist ebenfalls möglich. Dabei ist jedoch darauf zu achten, dass die Nährstoffmengen ausreichend sind.

Hundenapf und Wassernapf sollten auf einer rutschfesten Unterlage stehen. Für den Kooikerhondje eignet sich ein Hundenapf-Set* für mittelgroße Hunde.

Einige Allergien treten bei Kooikerhondje häufig auf. Falls der Verdacht auf eine Allergie besteht, sollte dies durch einen Test beim Tierarzt abgeklärt werden. Beim Vorliegen einer Allergie muss die Ernährung des Tieres umgestellt werden.

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Ein Kooiker aus guter Zucht hat seinen Preis

Der Anschaffungspreis ist relativ hoch. Der Preis für eine Welpen aus guter Zucht liegt momentan bei 1400 Euro aufwärts. Dazu kommen Kosten für Hundefutter und -zubehör, Steuer, Versicherung* sowie Tierarztkosten. Die Tiere sollten nur bei seriösen und erfahrenen Züchter*innen gekauft werden. Vor dem Kauf sollte man sich bescheinigen lassen, dass alle wichtigen Untersuchungen durchgeführt wurden. Dazu zählen insbesondere ein Test auf eine erbliche Muskellähmung, Untersuchungen der Kniescheiben und eine erbliche Augenkrankheit.

Leider gibt es bei dieser Hunderasse viele unseriöse Züchter, die die große Nachfrage nach Kooikerhondjes ausnutzen. Sie bieten die Welpen meist für einen geringeren Preis an. Am Anschaffungspreis zu sparen, macht sich jedoch nicht bezahlt.

Gesundheit & Pflege: Das Kooikerhondje ist pflegeleicht

Hunde aus seriösen Zuchten sind in der Regel sehr robust und haben eine hohe Lebenserwartung. Bei Tieren aus unseriösen Zuchten treten dagegen häufig Krankheiten auf. Leider ist die Rasse mit einigen Erbkrankheiten belastet. Zu diesen zählen die Patella-Luxation sowie Nieren- und Augenkrankheiten. Beim Kauf eines Kooikers vom Züchter sollte gezielt nach diesen Krankheiten gefragt werden.

Bei einer Patella-Luxation verlagert sich die Kniescheibe des Hundes, die normalerweise in der Furche des Oberschenkelknochens sitzt. Der Hund kann dadurch das Bein nicht mehr normal oder nur unter Schmerzen belasten. Folgende Symptome können zeitweise auftreten: Der Hund „hüpft“ mit den Hinterbeinen, lahmt oder klemmt die Gliedmaßen in einem unnatürlichen Winkel ein.

Als rassespezifische Krankheit zählt die von Willebrand Disease (vWD). Bei dieser Störung der Blutgerinnung bilden sich Blutergüsse und starke Blutungen. Aufgrund der züchterischen Selektion kommt die Krankheit nur noch selten vor. Ob das Hondje das Gen für vWD in sich trägt, kann mit einem Gentest festgestellt werden.

Ein schwerwiegende neurologische Erkrankung ist die erbliche nekrotisierende Myelopathie (ENM). Die tödlich verlaufende Krankheit ist von fortschreitenden Lähmungen begleitet. Die Krankheit kann im ersten Lebensjahr eines Hundes auftreten und ist nicht heilbar. Im Anfangsstadium werden Gewebe im Rückenmark zerstört, wodurch es zum Lahmen an den Hinterläufen kommen kann. Die Lähmung breitet sich vom hinteren Teil des Körpers nach vorne aus. Nur wenn beide Eltern das Gen mitbringen, wird die Krankheit vererbt. Seit 2012 kann man mit einem Bluttest nachweisen, ob der Hund das Gen für ENM in sicht trägt. Seriöse Züchter*innen achten bei Verpaarungen darauf, dass die Vererbung von ENM ausgeschlossen werden kann.

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Pflege

Für die Pflege muss nicht viel Zeit aufgewendet werden. Alle zwei bis drei Tage sollte das pflegeleichte Fell durchgebürstet werden, damit es glänzend und gesund bleibt. Natürlich ist es besser, wenn die Haare in der Bürste landen als überall in der Wohnung. Der Hund haart zwar nicht viel, aber in manchen Phasen etwas mehr. Hat das Tier Zecken und andere Hautparasiten? Jetzt ist die beste Gelegenheit, danach zu schauen. Vorbeugend helfen Präparat gegen Hautparasiten. Regelmäßig sollten die Ohren kontrolliert und gereinigt werden. Eventuell müssen gelegentlich die Krallen gekürzt werden, wenn sie sich nicht ausreichend auf asphaltierten Straßen und Wegen abgenutzt haben.

Herkunft & Geschichte des schwanzwedelnden Lockhunds für die Entenjagd

Das niederländische Kooikerhondje ist eine sehr alte Hunderasse. Doch woher hat die Rasse ihren Namen? Im 17. Jahrhundert züchtete man Kooikerhondjes als Lockhunde für die Entenjagd. In den wasserreichen Niederlanden mit ihren Tümpeln und alten Flussarmen entwickelte man eine ganz besondere Fangtechnik für wilde Enten. Aus Matten, Schilf und Gebüsch legte man eine Art Reuse an, die Eendenkooi (Entenkäfig) genannt wurde. Ein Teil des offenen Kanals wurde dabei mit Drahtgewebe überdacht. 

Im offenen, nicht überdachten Teil des Kanals wurden zahme Enten in Anwesenheit des Hundes aufgezogen. Die zahmen Enten nutzte man als Lockvögel für wilde Enten. Sie nahmen Schilf und Gebüsch gerne als perfekte Brutstätte an. Die zahmen Enten fütterte der Kooibaas (Hundemeister) regelmäßig und zwar immer dann, wenn er gleichzeitig seinen Hund am Ufer entlang laufen ließ. Dieser lief schwanzwedelnd am Ufer hin und her.

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Bald verbanden die Enten den schwanzwedelnden Hund mit einer baldigen Fütterung und folgten ihm neugierig. Vorbeifliegende wilde Enten wurden durch das Schwanzwedeln ebenfalls angelockt. Sie folgten schwimmend den zahmen Enten in den überdachten Teil des Kanals. Der Kooibas scheuchte sie dann in den Entenkäfig am Ende der Fanganlage. Dabei half ihm manchmal der Hund. Wegen der Drahtüberdachung konnten sie nicht wegfliegen und gerieten in die Entenfalle, aus der es kein Entkommen mehr gab.

Als kooiker wurde der Betreiber dieser speziellen Fanganlage zur Entenjagd bezeichnet. Die Fanganlagen selbst wurden auf niederländisch kooi genannt. In den Niederlanden sind heutzutage noch zahlreiche solcher Kooien im Einsatz, allerdings nicht für die Jagd, sondern vorwiegend für wissenschaftliche Arbeiten. Alle verbliebenen Koois stehen heute unter Naturschutz.

Nicht jeder durfte „einfach so“ einen Entenkäfig betreiben. Man benötigte dazu das „kooirecht“ durch den Grafen von Holland. Auch andere Landesherren durften dieses Recht verleihen. Neben der Erlaubnis zur Anlage eines Entenkoois beinhaltete das kooirecht auch das Verbot jeder weiteren menschlichen Tätigkeit in einem vorgegebenen Schutzgebiet. Manche dieser alten Rechten haben heute noch ihre Gültigkeit.

Mit dem Nachlassen der Entenjagd nahm auch der Bestand an Kooikerhondjes stark ab. Während des Zweiten Weltkrieges war die Rasse fast ausgestorben. Erst 1942 kümmerte sich eine Baronesse van Hardenbroek van Ammerstol um den Neuaufbau der Rasse. Die patriotische und bodenständige Hundezüchterin interessierte sich Ende der 1930er Jahre für den schnell verschwindenden Kooikerhondje.

Dazu bat sie einen Handelsreisenden, ihr bei der Suche nach geeigneten Exemplaren dieses Hundes zu helfen. Sie gab ihm eine Beschreibung und ein Stückchen Haar. Schließlich wurde eine passende junge Hündin („Tommie“) im Norden der Niederlande gefunden.

Dieses Tier gilt seither als Ursprungshündin der Rasse. Bei der Züchtung in den folgenden Jahrzehnten orientierte sich die Baronesse an den Kooikerhondjes, die auf den Werken niederländischer Maler des 17. bis 19. Jahrhunderts abgebildet sind. Beispielsweise auf Bildern von Jan Steen und Jan Vermeer. Im Jahr 1971 wurde die Rasse von der FCI anerkannt.